Sieg für Cochamó: Chiles Granit-Paradies geschützt
Während die einen im Winter die Ski wachsen und auf Powder hoffen, zieht es andere auf die Südhalbkugel. Ihr Ziel sind nicht nur die stürmischen Gefilde rund um El Chaltén, sondern zunehmend das Cochamó-Tal im chilenischen Teil Patagoniens. Als „Yosemite Südamerikas“ bekannt, ragen hier gewaltige Big-Wall-Granitwände in den Himmel. Doch nicht nur für Kletterinnen und Kletterer sowie Wanderer und Trailrunner ist der Ort ein Paradies: Da das Tal kaum besiedelt ist, bietet es einen Rückzugsort für seltene Arten wie den Pudú, die kleinste Hirschart der Welt. Das Gebiet beherbergt ausgedehnte Urwälder, endemische Flora und jene ikonischen Formationen, die das Tal weltberühmt machen.

Doch so unberührt die Natur ist, so laut verlief der Prozess um ihre Zukunft: Im Jahr 2022 bot der Geschäftsmann Roberto Hagemann den Fundo Puchegüín zum Verkauf an. Mit rund 133.000 Hektar umfasst dieses Areal im Herzen der Region Los Lagos ein Drittel des gesamten Cochamó-Gebiets. Die Einheimischen und die Outdoor-Community befürchteten, dass die Fläche nun für private Immobilienprojekte oder Wasserkraftwerke genutzt werden würde.
Was Gemeinschaft bewirken kann
Dazu kam es glücklicherweise nicht: Eine Gemeinschaft aus Naturschutzgruppen, Wissenschaftlern und Anwohnern startete eine Kampagne, um das Land zu kaufen und zu schützen. Im Dezember 2025 gelang es der Initiative Conserva Puchegüín mit Unterstützung des Holdfast Collective, einer Organisation von Patagonia, über 78 Millionen US-Dollar aufzubringen. Das Geld wurde in weniger als zwei Jahren durch Spenden aus 21 Ländern gesammelt. Künftig wird dieses Ökosystem durch ein partizipatives Modell verwaltet, das die lokalen Gemeinden aktiv einbezieht. Ein Zeichen, dass Gemeinschaften stark sein können.
Mit Cochamó Por Siempre (Cochamó für immer) hat Patagonia gemeinsam mit den Kletterern Sean Villanueva und Tommy Caldwell einen lohnenswerten Film produziert, der nicht nur das Gebiet vorstellt, sondern vor allem die Community sichtbar macht.
Heute ist der Fundo Puchegüín das größte private Schutzprojekt der Region und ein entscheidender Baustein für die Konsolidierung eines der bedeutendsten biologischen Korridore Lateinamerikas. Dieser verbindet nun fast vier Millionen Hektar Schutzgebiete zwischen Chile und Argentinien. Das Klimarefugium bewahrt wertvolle Primärwälder, fast elf Prozent der weltweiten Alerce-Bestände sowie bedrohte Arten wie den Huemul, den Monito del Monte und den Darwin-Nasenfrosch.
Dieses Projekt zeigt, dass Communities das Schicksal eines ganzen Gebiets verändern können
Die Bedeutung von Conserva Puchegüín reicht jedoch über den ökologischen Aspekt hinaus: Der Erwerb sichert auch die Kontinuität kultureller Traditionen und lokaler Lebensweisen in einem Gebiet, das historisch durch Landnahme und invasiven Massentourismus bedroht war.

Wie die Zukunft Cochamós aussehen soll
Der Schutzplan sieht ein hybrides Konzept vor: Während mindestens 80 Prozent der Fläche dem strengen Naturschutz gewidmet sind, stehen bis zu 20 Prozent für nachhaltige Nutzungen wie ökologische Landwirtschaft und umweltschonenden Tourismus zur Verfügung. Unter dem neuen chilenischen Gesetz für Biodiversität und Schutzgebiete (SBAP) zielt das Projekt darauf ab, rechtliche Mechanismen zu etablieren, die sowohl den langfristigen Erhalt des Ökosystems als auch die Fortführung traditioneller Lebensweisen und Freizeitaktivitäten im Tal garantieren.
Macarena Sánchez, Direktorin für Marketing und Umweltaktivismus bei Patagonia Chile, erklärt: „Auf einem sich rapide überhitzenden Planeten ist der Schutz eines Ortes wie Puchegüín ein Akt kollektiven Mutes. Dieses Projekt zeigt, dass Communities, wenn sie sich organisieren, das Schicksal eines ganzen Gebiets verändern können. Für Patagonia steht es für eine Zukunft, für die es sich zu kämpfen lohnt.“ Andrés Diez, Geschäftsführer von Puelo Patagonia – der NGO, die die Initiative Conserva Puchegüín aus Chile geleitet hat – fügte hinzu: „Wir wissen, dass es Zeit brauchen wird, bis ein endgültiger rechtlicher Schutz erreicht ist, und dass dieses Projekt gerade erst am Anfang steht. Wichtig ist, dass es heute ein klares Bekenntnis und einen gemeinsamen Weg gibt, um den langfristigen Schutz zu gewährleisten.“
Willkommen im Granit-Paradies

Cochamó gilt für viele Klettererinnen und Kletterer als eines der besten Klettergebiete der Welt: Das Tal beherbergt legendäre Routen an Orten wie Cerro Trinidad, Cerro La Junta, El Anfiteatro und El Monstruo – und bietet so Big-Wall-Herausforderungen, deren Höhe und Kontinuität mit einigen der klassischen Routen im Yosemite mithalten können. Tommy Caldwell drückt es so aus: „Es ist schwer, Cochamó nicht mit dem Yosemite zu vergleichen, aufgrund der Qualität des Granits, der Wasserfälle und des Kletterstils, mit einem unglaublich hohen Anteil an Fünf-Sterne-Seillängen.“ Gleichzeitig ist die Gegend Ziel von vielen Wanderinnen und Wanderern sowie für Fliegenfischer am Puelo River.

Quelle: Pressemitteilung Patagonia, bergundsteigen